Von Dr. med. Margita Bert und Dr. med. Gerd W. Zimmermann, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (2005 bis 2010)
Hinweis: Der Vorstand der KV Hessen für die Legislaturperiode 2011 bis 2016 ist am 12. Januar 2011 gewählt worden. Vorstandsvorsitzender ist Frank-Rüdiger Zimmeck, stellv. Vorstandsvorsitzender erneut Dr. Gerd W. Zimmermann
Sowohl bundesweit als auch in Hessen ist eine anhaltende Impfmüdigkeit zu verzeichnen. Hohe Ziele wie die Ausrottung von Krankheiten, beispielsweise Masern, rücken damit in weite Ferne. Daher engagiert sich die KV Hessen jetzt dafür, dass "Hessen impft!".
Warum dieses Engagement und welche Ziele verfolgt die KV Hessen mit dieser Kampagne?
Da es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, muss der hessische Bürger selbst aktiv werden, um für seine eigene Gesundheit vorzusorgen - und insbesondere die Gesundheit seiner Kinder.
Voraussetzung für dieses präventive Engagement ist, dass Sinn und Nutzen von Impfungen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken! Doch nach wie vor spaltet das Thema Impfen die Gemüter in zwei Lager. Und genau hier ist vor allem seitens der Ärzte Überzeugungsarbeit nötig, da wir Mediziner in der gesundheitspolitischen Verantwortung stehen, Patienten auf erforderliche Impfungen hinzuweisen - zum Schutz des Einzelnen aber auch zum Wohl der gesamten Gesellschaft.
Zahlreiche unhaltbare pseudowissenschaftliche Argumente kursieren, die zu Unrecht die Impfangst schüren. Wissenschaftlich entgleiste mediale Darstellungen, wie dies beispielsweise bei der Schweinegrippe-Impfung der Fall war, tragen dann noch ihren Teil dazu bei, dass das Image von Impfungen im Allgemeinen nachhaltig geschädigt wird und sich die Fronten zwischen Impfbefürwortern und -gegnern weiter verschärfen. Dabei ist die selektive Ablehnung gewisser Impfungen rein ideologisch geprägt, denn eine Impfung gegen Tetanus zweifelt fast niemand an. Dabei ist das Impfprinzip immer das Gleiche!
Mit dem Engagement "Hessen impft!" wollen wir den hessischen Arzt bei einer wissenschaftlich fundierten Patientenaufklärung unterstützen. Unser Ziel: Die allgemeine Impfverunsicherung auflösen und in Impfbereitschaft umwandeln, das Vertrauen der Bürger ins Impfen wieder zurück gewinnen! Impfen als Präventionsmaßnahme erster Wahl muss wieder den ursprünglichen Stellenwert höchster Relevanz bekommen, denn bei der Diskussion um Impfungen scheint allzu oft in Vergessenheit zu geraten, dass viele Erkrankungen erst durch die Schutzimpfungen ihren Schrecken verloren haben. Impfen ist und bleibt sinnvoll und sicher.
Wiesbaden, 20. April 2010
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Professor Dr. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie, Universität Frankfurt am Main
Die wichtigste Quelle für zuverlässige und aktuelle Informationen zum Thema Impfen ist die Homepage des Robert Koch-Instituts (www.rki.de). Hier findet man auch einen aktuellen Bericht zu den Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, der auch unter der Bezeichnung "KiGGS" firmiert. Hier ein Zitat aus diesem Bericht:
"Schutzimpfungen zählen zu den wirkungsvollsten und kostengünstigsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Sie schützen den Einzelnen …. Impfungen schützen aber nicht nur individuell, sondern führen auch zu einem Kollektivschutz der Bevölkerung. Ist der Anteil geimpfter Personen hoch genug, so findet der Erreger nicht mehr genug empfängliche Personen, und die Krankheit kann sich nicht ausbreiten. Insbesondere können auch ganz junge Säuglinge, bei denen eine Impfung noch nicht empfohlen ist, oder solche Personen geschützt werden, bei denen aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht durchgeführt werden kann. Bei hohen Impfquoten können Krankheitserreger regional eliminiert und schließlich weltweit ausgerottet werden."
Impfen ist somit nicht nur eine individuelle sondern auch eine soziale Maßnahme, mit der Verantwortung für die eigene aber auch für die Volksgesundheit übernehmen kann. Und Impfstoffe sind die wichtigsten und effektivsten Therapeutika. Das liegt auch daran, dass sie eingesetzt werden, bevor es zu einer Erkrankung kommt. Impfstoffe sind also Therapeutika, die bei Gesunden eingesetzt werden. Tatsächlich ist für eine bestimmte Gruppe von Impfstoffen - den Lebendimpfstoffen - die Gesundheit des Impflings unabdingbare Vorraussetzung. Z.B. darf man Immunsupprimierten keinesfalls einen Lebendimpfstoffen verabreichen.
Weil Impfstoffe bei Gesunden eingesetzt werden, müssen sie auch ganz besonders sicher sein, was z.B. dadurch unterstrichen wird, dass anders als bei allen anderen Arzneimitteln jede einzelne Charge von der zuständigen Behörde geprüft und dann zugelassen wird.
Impfstoffe trainieren das Immunsystem für den Ernstfall. Sie werden als Regelimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche, als Auffrischimpfungen im Erwachsenenalter, als Indikationsimpfungen bzw. Impfungen auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos und als Reiseimpfungen eingesetzt. Gegen welche Infektionen die Bevölkerung durch Impfung geschützt werden soll, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). Und der Staat übernimmt hier auch eine besondere Verantwortung, indem automatisch jeder gegen Impfschäden versichert ist, die zwar sehr selten vorkommen, die man auch bei Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, nie gänzlich ausschließen kann.
Nicht immer ist ein Antigen hinreichend immunogen. Dann müssen Verstärkersubstanzen, so genannte Adjuvanzien, zugesetzt werden. Diese haben im Zusammenhang mit der Impfung gegen die neue Influenza für viel Misstrauen und Unsicherheit gesorgt. Zu Unrecht, wie man heute weiß. Auch die "neuen" Adjuvanzien, die Squalen, Polyethylenglykol oder Tocopherol (Vitamin E) enthalten, sind äußerst sicher und waren bereits millionenfach (auch in Deutschland) getestet. Verbindungen mit dem Golfkriegsyndrom haben sich als schlecht recherchierte Horrorstories ohne Substanz erwiesen. Auch das sich hartnäckig haltende Gerücht, Impfungen könnten Autismus verursachen, ist nicht mehr haltbar. Eine über Jahre dauernde wissenschaftliche Recherche hat ergeben, dass hier eine skrupellose Geschichte "erkauft" wurde, die viele Eltern zutiefst verunsichert hat.
Dass es sich lohnt, in Impfen zu investieren, hat erst kürzlich die Bill and Melinda Gates Foundation unterstrichen, die auf dem Weltwirtschaftsforum 2010 in Davos bekannt gab, dass sie weitere 10 Milliarden US-Dollar für die Erforschung, Produktion und Verteilung von Impfstoffen bereit stellt. Das Geld solle über zehn Jahre verteilt in verschiedene Projekte gesteckt werden, sagte Bill Gates persönlich, und er fuhr fort: "Die kommenden Jahre müssten zu einer 'Dekade der Impfungen' werden".
Wiesbaden, 20. April 2010