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"Grundlagen zum Impfschutz" 

  1. Warum empfiehlt die KV Hessen, sich impfen zu lassen? Und welche Impfungen?mehr>>

  2. Was passiert beim Impfen im Körper? mehr>>

  3. Wer soll sich impfen lassen? mehr>>

  4. Wie sicher sind Impfungen? mehr>>

  5. Gibt es belastbare Argumente gegen das Impfen? mehr>>

  6. Wieso sind Auffrischimpfungen beispielsweise gegen Tetanus und Diphtherie wichtig? mehr>>

  7. Wie wirkt die HPV-Impfung? Und wie sicher ist die "erste Impfung gegen Krebs"?mehr>>

  8. Welche Impfungen empfiehlt die KVH Eltern für ihre Säuglinge / Kleinkinder?mehr>>

  9. Warum ist es nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für die Gesamtbevölkerung besonders wichtig, dass Kinder geimpft werden? mehr>>

  10. Sollten alle Kinder mit allen empfohlenen Impfungen geschützt werden oder ist eine individuelle Betrachtung jedes einzelnen Kindes zu bevorzugen? mehr>>

 

 

1. Warum empfiehlt die KV Hessen, sich impfen zu lassen? Und welche Impfungen?


Impfungen gehören zu den großen "Erfolgsgeschichten" in der modernen Medizin - und sind die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung gefährlicher Infektionskrankheiten. Nichts bietet einen derart umfassenden Schutz, beispielsweise vor Masern, Kinderlähmung oder Tetanus, wie eine Impfung.

Die KV Hessen rät daher uneingeschränkt zu allen 20 Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden. 

 

2. Was passiert beim Impfen im Körper?

Kurz gesagt: Unser Körper trainiert beim Impfen für den Ernstfall "echte Infektion" - und ist dann in der Lage, aufgrund des Trainingsvorsprungs den Erreger so schnell zu töten, das die Erkrankung nicht ausbricht.


Wie funktioniert das?


Der Impfstoff enthält tote oder abgeschwächte Viren und Teile davon, die als ungefährliche Sparringspartner für das Immunsystem dienen. Sie sorgen dafür, dass Abwehrzellen die Produktion von Antikörpern gegen genau diese "Trainingspartner" bilden und sie für Fresszellen markieren, die die Eindringlinge dann vernichten. Gleichzeitig werden die Virus-Informationen im Immungedächtnis abgespeichert. So kann unser Körper beim nächsten Angriff des gleichen Gegners sofort eine gezielte Abwehrreaktion auslösen. Damit sichert sich unser Immunsystem den entscheidenden Trainingsvorteil für die "echte Schlacht". Die durch das Impf-Training abgespeicherten Antikörperinformationen bleiben abrufbereit im "Immungedächtnis" - solange, bis der gleiche Krankheitserreger wieder eindringt. Wenn das passiert, können die "schlafenden" Abwehrzellen sofort in ausreichend hoher Zahl "reaktiviert" werden und den Eindringling mit der nötigen Armee an passenden Antikörpern umfassend markieren. Die Fresszellen vernichten umgehend alle Eindringlinge, bevor eine Krankheit ausbricht. Das ist der "eingeimpfte Trainingsvorsprung" unseres Immunsystems! Übersicht>>

Impfprinzip-WEB

 

3. Wer soll sich impfen lassen?

"Impfen ist nur was für Kinder." Das ist Quatsch. Richtig hingegen ist: Es gibt Impfungen für Kleinkinder und Kinder - aber auch für Jugendliche, Erwachsene und Senioren.

Die KV Hessen rät zu allen Impfungen für Kleinkinder und Kinder, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen werden. Ein Impfkalender mit allen wichtigen Angaben liegt dieser Pressemappe bei. Kleinkinder sollten frühestmöglich bis zum 14. Lebensmonat mit nur einer Spritze vor den folgenden sechs gefährlichen Infektionskrankheiten geschützt werden: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, "Hib", Polio, Hepatitis B. Zusätzlich empfiehlt die STIKO gegen Pneumokokken zu impfen. Zwischen dem 11. und 14. Monat impft man mit der 4-in-1-Spritze und nur einem Pieks gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken - eine Zweitimpfung dieses Quartetts bis Ende des zweiten Lebensjahres vervollständigt den Impfschutz. Alle genannten Impfungen im Kleinkindalter dienen der so genannten "Grundimmunisierung". Dazu gehört auch die Meningokokkenimpfung ab dem ersten Lebensjahr. Über alle weiteren Impfungen beraten jederzeit die hessischen Haus- und Kinderärzte.
Zusätzlich kommt für junge Mädchen (idealerweise) vor der sexuell aktiven Phase die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in Betracht.

Die KV Hessen empfiehlt Erwachsenen, mindestens alle zehn Jahre den Impfstatus mit dem Hausarzt zu besprechen. Der Hausarzt entscheidet individuell, welche Impfung notwendig ist. Wichtig sind beispielsweise die Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung. Darüber hinaus können zahlreiche Impfungen sinnvoll sein, unter anderem gegen FSME ("Zeckenbiss"), Tollwut, Hepatitis ("Gelbsucht") oder Typhus sowie - je nach Gesundheitsstatus - gegen Influenza (Grippe). Weiter kommen spezielle Reiseimpfungen, wie Gelbfieber oder Japanische Enzephalitis, in Betracht. Auch "verpasste" Impfungen gegen Kinderkrankheiten können als Erwachsene nachgeholt werden, beispielsweise die Masern- oder Windpockenimpfung. Übersicht>>


4. Wie sicher sind Impfungen?

Impfstoffe sind heute so sicher wie nie. Und das Impfen ist eine sichere Maßnahme zum Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen. Impfungen beanspruchen das Immunsystem weniger, als beispielsweise ein Kuss der Mutter oder ein Spielzeug, das vom Boden in den Kindermund gelangt. Und im Vergleich zum Ausbruch der oft gefährlich verlaufenden Infektionskrankheiten, sind die Nebenwirkungen der Impfung als mild bis moderat zu bezeichnen.

Heutige Impfstoffe sind gut verträglich. Eine Impfung kann zu merkbaren, aber harmlosen Nebenwirkungen, wie Rötungen, Schwellungen oder manchmal auch leichtem Fieber, führen. Das ist ganz normal. Diese Erscheinungen verschwinden in der Regel nach spätestens zwei bis drei Tagen wieder.

Von Langzeitschäden, die in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten sind, wird zwar vereinzelt immer wieder berichtet. Es liegt jedoch bislang kein wissenschaftlicher Beweis vor, dass Impfen die Ursache oder Auslöser dieser Schäden ist. Ganz im Gegenteil: Beispielsweise gilt das weit verbreitete Gerücht als weitgehend widerlegt, dass Grippeimpfungen mit einem erhöhten Risiko für das so genannte "Guillain-Barré-Syndrome" einhergehen.

Statt spekulativer Langzeitschäden bieten Impfungen einen belegten Langzeitschutz vor der entsprechenden Erkrankung! Übersicht>>

 

5. Gibt es belastbare Argumente gegen das Impfen?

Der KVH liegen keine validen Studienergebnisse vor, die belastbare Argumente gegen das Impfen liefern. Impfen ist sinnvoll und sicher. Alle uns bekannten "das Impfen verunglimpfende Horrorgeschichten" basieren auf den üblichen Zutaten aller Gerüchteküchen: Falsche oder (bewusst) falsch interpretierte Daten werden durch persönlich geprägte Ansichten inhaltlich "geformt" und erscheinen durch das stete Weitererzählen ideologisch Gleichgesinnter immer realer. Das ändert aber nichts daran: Es gibt keine Studien, die kausale Zusammenhänge zwischen Impfen und gerne diskutierten "Impffolgen", wie Autismus oder Asthma, belegen. Derzeit muss man klar sagen: Diese verunglimpfenden Geschichten gehören ins Reich der Märchen. Übersicht>>


6. Wieso sind Impfungen für Erwachsene, insbesondere Auffrischimpfungen beispielsweise gegen Tetanus und Diphtherie wichtig?

Beide Impfungen gewähren keine lebenslange Immunität, daher ist eine Auffrischung nach zehn Jahren empfehlenswert, um den Schutz gegen die Erkrankungen aufrecht zu erhalten (oder wieder herzustellen). Tetanus und Diphtherie sollten auf jeden Fall pro Dekade aufgefrischt werden, bei Polio und Pertussis ist dieses "Update" nicht zwingend, aber je nach Lebensumständen grundsätzlich in Betracht zu ziehen. Der Impfkalender anbei bietet eine schnelle Übersicht aller empfohlenen Auffrischungsimpfungen.

Generell gilt: Für Erwachsene kann Impfmüdigkeit gesundheitsgefährdend werden, wenn beispielsweise die wichtigen Auffrischimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie vergessen werden oder vor Reisen in Risikogebiete die empfohlenen Impfungen fehlen. Auch wenn Menschen in Regionen mit Tollwutgefahr oder hohem Zeckenvorkommen leben, sollten sie die Ansteckungsgefahr nicht ungeimpft auf sich zukommen lassen. Denn ohne FSME-Schutzimpfung kann es zur lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung kommen. Geimpft jedoch, verläuft ein infektiöser Zeckenbiss meist glimpflich!  Übersicht>>


7. Wie wirkt die HPV-Impfung? Und wie sicher ist die "erste Impfung gegen Krebs"?

Die HPV-Impfung wirkt gezielt und nahezu 100% gegen zwei Stämme humaner Papillomviren (HPV 16 & 18). Sie schützt damit hochwirksam vor (Vorstufen des) Gebärmutterhalskrebses, der durch die zwei häufigsten Formen der krebsauslösenden HPV verursacht wird: Typ 16 und 18 sind für etwa 70% der virusinduzierten Cervix-Karzinome verantwortlich. Aktuelle Daten legen nahe, dass die Impfstoffe im Sinne einer Kreuzprotektion auch vor weiteren onkogenen (krebsauslösenden) HP-Viren schützen.

Die beiden Impfstoffe gegen HPV werden von Impfbehörden weltweit als sicher eingestuft. Bei den bislang weltweit etwa 60 Millionen geimpften Frauen haben das Paul-Ehrlich-Institut und das US-amerikanische Center for Disease Control keine Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen gefunden.

Neben der STIKO empfehlen sowohl die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Bundesverband der Frauenärzte (BVF) als auch der Berufsverband Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen in Deutschland (BNGO) die Impfung gegen HPV 16 und 18. Und das unisono und eindringlich, denn die Impfrate stagniert bei 35 bis 40%, Tendenz sinkend. Übersicht>>

 

8. Welche Impfungen empfiehlt die KVH Eltern für ihre Säuglinge/Kleinkinder?

Die KVH rät uneingeschränkt zu allen Grundimmunisierungen, Zweit- und Auffrischimpfungen gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (siehe Impfkalender anbei).

Generell gilt: Nur Erst- und Zweitimpfungen sorgen für den ausreichenden Schutz der Grundimmunsierung. Kinderärzte sollten daher genau darauf achten, dass Eltern mit ihren Kleinkindern rechtzeitig den/die erforderlichen Zweitimpfungstermin/e wahrnehmen. Der beiliegende Impfkalender bietet eine schnelle Übersicht aller empfohlenen Erst- und Zweitimpfungen sowie der Auffrischungsimpfungen.

Neben den Grundimmunisierungen sollte individuell im Gespräch mit den Eltern entschieden werden, ob weitere Impfungen nötig sind - beispielsweise gegen FSME oder Rotaviren. Übersicht>>

 

9. Warum ist es nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für die Gesamtbevölkerung besonders wichtig, dass Kinder geimpft werden?

"Kinderkrankheiten" - der Begriff klingt zwar harmlos, aber die Auswirkungen von Masern, Kinderlähmung & Co. sind alles andere als das. Die Folgeschäden zahlreicher Infektionskrankheiten können gravierend und lebenslang sein: Hirnschäden (Masern), Lähmungen (Polio) und Unfruchtbarkeit (Mumps) sind einige davon. Weniger gefährlich, aber ästhetisch störend, sind beispielsweise tiefe Narben durch aufgekratzte Windpocken. Jede Impfung schützt, aber jede Krankheit kann schaden!

Generell gilt: Je höher der Impfstatus der gesamten Bevölkerung, desto höher der Schutz für alle Einwohner. Daher geht die Impfmüdigkeit Einzelner letztlich auf Kosten der Gesellschaft. Denn sind mehr als 95% der Population gegen eine Krankheit geimpft, kommt es zum so genannten "Herdeneffekt", der auch Ungeimpfte schützt und zur Ausrottung des Virus führen kann. Eine hohe Impfquote bei Kindern ist daher der beste Garant für einen Herdeneffekt, der auch Ungeimpfte und Risikogruppen vor gefährlichen Infektionskrankheiten schützt. Übersicht>>
 


10. Sollten alle Kinder mit allen empfohlenen Impfungen geschützt werden oder ist eine individuelle Betrachtung jedes einzelnen Kindes zu bevorzugen?


Grundsätzlich gelten die Impfempfehlungen der KVH basierend auf den Angaben der STIKO für alle Kinder. Jeder Arzt sollte jedoch vorher im persönlichen Gespräch mit den Eltern deren Einstellung zum Impfen in Erfahrung bringen. Bei einer partiell ablehnenden Haltung der Erziehungsberechtigten lohnt sich die beispielhafte Darstellung der Sinnhaftigkeit des Impfens anhand von Pocken oder Kinderlähmung: Impfen ist der sicherste Schutz des Kindes vor gefährlichen Krankheiten, die aufgrund der hohen Impfrate teilweise als ausgerottet gelten! Oft wird nicht das Impfprinzip an sich in Frage gestellt, sondern aufgrund eines diffusen Halbwissens geschürt von Ängsten lehnen diese Eltern nur gewisse Impfungen ab. Die Impfung gegen Tetanus aber stellt fast niemand in Frage. Daher dient diese Krankheit als "Überzeugungsbeispiel", denn alle Impfungen wirken via gleichem Prinzip.

Wichtig: In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Wenn Eltern trotz  PRO-IMPFEN-Beratung das Impfen ablehnen, liegt die Verantwortung für diese Entscheidung bei den Eltern. Übersicht>>



 

02.09.2010
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