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Impfen schützt - Die wichtigsten Argumente für Impfungen im Überblick!

Die medizinische Fachwelt sorgt sich darüber, dass unter anderem falsche Behauptungen zur H1N1-Impfung das Renommee von Impfungen im Allgemeinen beschädigt haben könnten. Das Problem: Sinkende Impfraten bergen die Gefahr, dass vermeidbare und fast verschwundene Erkrankungen wieder zu neuem Leben erweckt werden. Um der bestehenden Impfmüdigkeit zu begegnen, hat sich die KV Hessen zum Ziel gesetzt, den Sinn und Nutzen von Impfungen objektiv darzustellen und das Vertrauen der Bürger ins Impfen zurück zu gewinnen. Denn Impfen ist sinnvoll und sicher.

 

Übersicht - Die wichtigsten Argumente für Impfungen:

  1. Impfen - der effektivste und einfachste Schutz vor schweren, vermeidbaren Erkrankungen mehr>>

  2. Impfen unterstützt die Entwicklung des frühkindlichen Abwehrsystemsmehr>>

  3. Nutzen-Risiko-Diskussion - Der Nutzen überwiegt massiv mehr>>

  4. Unbeschwert Reisen - auch eine Errungenschaft eines modernen Impfmanagements mehr>>

  5. Effektiver Schutz der gesamten Bevölkerung durch hohe Impfraten mehr>>

  6. Kinderlähmung und Co. - Raritäten in Folge des konsequenten deutschen Impfmanagements mehr>>

  7. Innovationen bei der Impfstoffentwicklung: Stetige Neuerungen für eine verbesserte Gesundheitsvorsorge mehr>>


1. Impfen - der effektivste und einfachste Schutz vor schweren, vermeidbaren Erkrankungen


Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten zahlreicher Erkrankungen stetig verbessert haben, ist noch immer nicht gegen jede Krankheit "ein Kraut gewachsen". Der Irrglaube, dass Impfungen überflüssig seien, da Erkrankungen mit Antibiotika behandelbar seien, ist nach wie vor weit verbreitet. Dass Antibiotika bei Virusinfektionen nicht wirksam sind, ist ebenso Fakt wie die Tatsache, dass auch manche bakteriellen Erkrankungen immer noch äußerst schwierig behandelbar sind. So können beispielsweise trotz unaufhaltsamer Fortschritte in der Medizin Tetanusinfektionen, Hirnhautentzündungen und Keuchhusten tödlich verlaufen. Um schwerste Verläufe solcher Infektionen zu verhindern, gehören Impfungen zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der modernen Medizin zur Verfügung stehen.

Das Prinzip einer Impfung ist einfach und effektiv: Das Immunsystem wird für den "Ernstfall" trainiert. Dem Körper werden hierbei entweder kleine Mengen abgeschwächter lebender, vermehrungsfähiger Erreger (Lebendimpfstoff), nur Bruchstücke eines Virus oder Bakteriums (Totimpfstoff) oder Spuren eines abgeschwächten Toxins, das die Erreger produzieren, verabreicht. Das Immunsystem produziert bei diesem ersten Kontakt mit der unbekannten Substanz Abwehrstoffe, so genannte Antikörper. Der Körper durchläuft dann eine Infektion, die deutlich schwächer ist, als die Krankheit selbst. Bei diesem Prozess werden Gedächtniszellen hergestellt, die den Schutz gegen bekannte Erreger jahrelang, manche sogar ein Leben lang, aufrecht erhalten können. Kommt das Immunsystem mit den natürlichen Erregern, beispielsweise dem Rötelnvirus oder Humanen Papillomviren in Kontakt, kann es sehr schnell reagieren und die Erreger unschädlich machen bevor sie sich stark vermehren und eine Krankheit ausbrechen kann.

Durch dieses einfache Prinzip schützt Impfen vor schweren, ursächlich nicht therapierbaren Infektionskrankheiten, möglichen schweren Komplikationen bei Infektionskrankheiten, Komplikationen bei schweren Grunderkrankungen und Infektionskrankheiten, die während der Schwangerschaft zu schweren Schäden beim ungeborenen Kind führen können. Übersicht>>


2. Impfen unterstützt die Entwicklung des frühkindlichen Abwehrsystems


Dass ein Durchleben einer Infektionskrankheit für die normale Entwicklung eines Kindes wichtig ist, ist weder bewiesen noch plausibel. Das kindliche Immunsystem muss sich täglich mit einer vielfach größeren Menge von Fremdmolekülen auseinandersetzten, als dies bei der Impfung der Fall ist. Die mit der Muttermilch übertragenen Abwehrstoffe unterstützen die Entwicklung des kindlichen Immunsystems, allerdings ist dieser "Nestschutz" nicht umfassend. Da die durch Muttermilch übertragenen Antikörper sehr schnell abgebaut werden, fehlt dieser Schutz nach dem Stillen. Die für Kinder empfohlenen Schutzimpfungen richten sich gegen etwa ein Dutzend besonders notorischer und gefährlicher Erreger, d. h. die Impfung selbst stellt für das Abwehrsystem einen Stimulus dar und trainiert das Immunsystem. Bisher konnte kein Beleg für die These erbracht werden, dass geimpfte Kinder generell eine schwächere Konstitution besitzen oder gar dauerhaft weniger Abwehrkräfte aufweisen. Auch wenn immer wieder Behauptungen laut werden, dass früher Infektionskrankheiten durchgemacht und gut überstanden wurden, besteht kein Zweifel daran, dass Infektionen Kinder in ihrer Entwicklung zurückwerfen und gesundheitliche Komplikationen verursachen können, die unter Umständen sogar tödlich verlaufen. Beispiel Masern: Eine gefürchtete Komplikation, die so genannte Masern-Enzephalitis, führt häufig zu bleibenden Hirnschäden und kann zum Tode führen. Etwa 1 von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt diese schwerwiegende Komplikation! Übersicht>>


3. Nutzen-Risiko-Diskussion - Der Nutzen überwiegt massiv


Bei einer Nutzen-Risiko-Abwägung wird das Verhältnis von abgewendeten Krankheitskomplikationen in Relation zu möglichen Nebenwirkungen durch die Impfung bewertet. Unerwünschte Impfwirkungen werden unterschieden in "Impfreaktionen", "Impfkrankheiten" und "Impfkomplikationen".

Als Impfreaktionen werden Reaktionen des Organismus bezeichnet, die als normale Auseinandersetzung mit dem Impfstoff gelten. Hier können nach einer Impfung Allgemeinreaktionen, wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Wehleidigkeit ebenso wie Lokalreaktionen an der Injektionsstelle, auftreten.

Nach Lebendimpfungen kann eine schwach ausgeprägte Krankheitssymptomatik auftreten. So kann nach der Masernimpfung ein leichter Hautausschlag und Fieber auftreten (Impfmasern). Typische Komplikationen einer Masernerkrankung (z. B. Mittelohrentzündung) treten bei dieser "Impfkrankheit" in der Regel jedoch nicht auf.

Impfkomplikationen sind bei den heutigen modernen Impfstoffen extrem selten, jedoch auch nicht vollständig auszuschließen, da es sich um wirksame Arzneimittel handelt. Extrem selten auftretende Impfkomplikationen, die in großen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen sind, sind jedoch sehr viel seltener als die Komplikationen durch die Erkrankung. Im Rahmen einer Risiko-Nutzen-Abwägung kann die Entscheidung also immer zu Gunsten des Impfstoffes gefällt werden.

Dies lässt sich wieder sehr gut am Beispiel der Masernimpfung darstellen: Erkrankt ein Kind an Masern, so ist bei einem von 20 Kindern mit einer Lungenentzündung zu rechnen, bei einem von Tausend Kindern mit einer Enzephalitis, die in 20 bis 30% tödlich verläuft und zu einem großen Prozentsatz mit bleibenden Schäden einhergeht. Etwa 1 von 10.000 Kindern in industrialisierten Ländern stirbt in Folge einer Masernerkrankung. Die Masernimpfung geht dagegen mit einer extrem niedrigen Komplikationsrate einher. So wird das Risiko einer Enzephalitis, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gegen Masern zu beobachten ist, mit unter 1 zu 1 Million angegeben. Jedoch ist ein Kausalzusammenhang mit der Impfung bei diesen Fällen fraglich.

Weitere Mythen, die sich wissenschaftlich längst als Medizin¬legenden entlarvt haben, kursieren weiterhin hartnäckig in den Köpfen von Impfgegnern: Egal ob Autismus, Allergie, Diabetes oder Multiple Sklerose - ein Nachweis für den Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung von Erkrankungen gibt es bis heute nicht. Im Gegenteil: Es existieren zahlreiche Studien, die gegen einen solchen Zusammenhang sprechen. So wurde jüngst eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigt, dass bei vollständig geimpften Kindern das Allergie-Risiko sogar sinkt (Allergo J 18, 2009, S. 20). Ebenfalls dafür spricht, dass in der ehemaligen DDR, wo eine gesetzliche Impfplicht bestand und fast alle Kinder geimpft wurden, kaum Allergien registriert wurden. Diese nahmen in Ostdeutschland erst nach der Wende zu, während gleichzeitig die Impfraten sanken.

Prinzipiell lässt sich sagen, dass die Zulassung eines neuen Impfstoffs an ein umfassendes Prüfverfahren gebunden ist. Nach der Erfüllung aller Anforderungen an Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ist eine sehr sorgfältige ständige Überwachung, Chargenprüfung und Chargenfreigabe durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erforderlich. Und auch nach der Zulassung ist eine Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen notwendig. So fordert der Gesetzgeber die namentliche Meldung einer jeden "über das übliche Ausmaß hinausgehende Impfreaktion". Eine Übersicht hierzu kann für alle Impfstoffe bei der STIKO eingesehen werden! Übersicht>>


4. Unbeschwert Reisen - auch eine Errungenschaft eines modernen Impfmanagements

Neben Impfungen, die für die Grundimmunisierung sinnvoll sind, spielen Reiseschutzimpfungen eine immer wichtigere Rolle: In Zeiten der Globalisierung ist der Kontakt mit Viren und Bakterien, die in anderen Ländern vorkommen, kaum zu vermeiden! Nicht wenige Reisende infizieren sich aufgrund eines fehlenden Impfschutzes mit Krankheitserregern, die dort verbreitet sind. Sie gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern nach ihrer Rückreise auch ihre Mitmenschen zu Hause. Zum Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten, wie Thyphus, Hepatitis oder Gelbfieber, zählen Impfungen auch in der Reisemedizin zur wirksamsten und wichtigsten medizinischen Prophylaxe! Bei einer umfassenden Vorsorge sollte etwa sechs Wochen vor Abreise eine reisemedizinische Beratung in Anspruch genommen werden. So kann ein fehlender Impfschutz noch in vollem Umfang aufgebaut werden. Auch bei Last-Minute-Reisen sollte an Impfungen gedacht werden. Auffrischimpfungen, z. B. gegen Tetanus, Diphtherie und Polio, geben in der Regel einen sofortigen Schutz. Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus, Meningokokken und Grippe sind auch in letzter Minute noch möglich, bieten dann aber erst nach etwa 10 Tagen den vollen Schutz. Aber auch die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sollte bei anstehenden Reisen beachtet werden: FSME breitet sich in Europa weiter aus. Für Europa gilt die Faustregel: Je weiter man nach Osten kommt, desto höher ist das FSME-Risiko. Da es keine ursächliche Therapie gegen die Virusinfektion gibt, ist ein ausreichender Impfschutz besonders wichtig. Übersicht>>


5. Effektiver Schutz der gesamten Bevölkerung durch hohe Impfraten

Eine Impfung ist in zweierlei Hinsicht effektiv: Zum einen wird verhindert, dass die geimpfte Person erkrankt, zum anderen können geimpfte Personen die Krankheit nicht weiter verbreiten! So können auch Personen geschützt werden, die - beispielsweise auf Grund einer chronischen Erkrankung - nicht geimpft werden können. Man spricht auch von Herdenimmunität. Zu diesem Herdeneffekt kommt es aber nur dann, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, denn nur so finden die Viren kaum noch neue Opfer in der Nähe eines Infizierten. Somit ist es prinzipiell möglich, einzelne Krankheitserreger regional zu eliminieren und schließlich weltweit auszurotten. Die Elimination der Masern und der Poliomyelitis sind erklärte Ziele nationaler und internationaler Gesundheitspolitik. Was in Europa für Poliomyelitis bereits erlangt worden ist, scheint für Masern in weite Ferne gerückt zu sein. Die Fakten: Um eine ausreichende Herdenimmunität zu erreichen, müssten auch hier 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen zweimal gegen Masern geimpft worden sein. Die Durchimpfungsrate für die zweite Impfung liegt in Deutschland derzeit bei 80 Prozent. Entsprechend wurden im Jahr 2009 (bis KW 48) deutschlandweit 571 Erkrankungsfälle gemeldet (RKI, 16.12.2009). Masernepidemien treten hierzulande immer wieder auf, zuletzt in Nordrhein-Westfalen - hier erkrankten im Jahr 2006 rund 1.700 Kinder an der Infektion! Dass Masern keinesfalls als harmlose Erkrankung abgetan werden sollte, zeigen Schätzungen der WHO: Rund 20 Millionen Menschen erkranken immer noch jährlich an Masern, rund 164.000 Todesfälle wurden weltweit durch Masern im Jahr 2008 registriert. Was hier exemplarisch am Beispiel Masern dargestellt ist, zeigt den Stellenwert von Impfungen auf - Sinn und Zweck ist nicht nur der Nutzen des Einzelnen, sondern auch der Schutz der ganzen Bevölkerung vor vermeidbaren Erkrankungen. Ein weiteres Beispiel stellt Röteln dar: Röteln können bei Schwangeren, die nicht gegen die Krankheit immun sind, schwere Fehlbildungen des Ungeborenen verursachen. Diese Krankheitsfolge lässt sich ebenfalls durch eine hohe Durchimpfungsrate vermeiden! Übersicht>>

 

6. Kinderlähmung und Co. - Raritäten in Folge des konsequenten deutschen Impfmanagements

Konsequent durchgeführte Impfprogramme haben neben den Erfolgen, die auf bessere Hygiene und bessere Ernährung zurückzuführen sind, zum regionalen Verschwinden einzelner Erkrankungen geführt.  So lässt sich bei einigen Krankheiten gut nachvollziehen, dass mit dem Beginn des routinemäßigen Einsatzes von Impfstoffen die entsprechende Infektionskrankheit deutlich zurückgedrängt wird. Heute sind Infektionen wie Kinderlähmung ebenso wie Diphtherie hierzulande dank eines konsequenten Impfprogramms zur Rarität geworden. Im Falle der Pocken gelang es sogar, den Erreger weltweit zu eliminieren. Übersicht>>


7. Innovationen bei der Impfstoffentwicklung: Stetige Neuerungen für eine verbesserte Gesundheitsvorsorge

In der Impfstoff-Forschung tut sich viel: So schützen beispielsweise jüngst entwickelte Impfstoffe vor Meningokokken-Entzündungen der Hirnhaut, vor schweren Durchfällen, die von Rotaviren ausgelöst werden, vor Pneumokokken, den Haupterregern einer infektiösen, bakteriellen Lungenentzündung, und vor Gebärmutterhalskrebs, bei dessen Entstehung das Humane Papillomavirus (HPV) eine wichtige Rolle spielt. Impfstoffe, die sich im späten Stadium der klinischen Entwicklung befinden, sind gegen mehr als 30 Infektionserkrankungen gerichtet, gegen die es bislang keinen entsprechenden Schutz gibt. Darüber hinaus arbeiten Wissenschaftler derzeit an der Entwicklung von Impfstoffen gegen HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose und Dengue-Fieber.

Neben der Entwicklung von neuen Impfstoffen werden aber auch vorhandene Vakzien stetig verbessert: Um die Immunreaktion vor allem bei Totimpfstoffen spezifischer und vorhersehbarer zu machen, geht die Forschung weg von Ganzkeim-, hin zu hochgereinigten Vakzinen und damit neue Wege. Impfstoffe enthalten nur kleine, für die Immunantwort essenzielle Bestandteile des Erregers. Die Immunreaktion auf diese speziellen Bestandteile wäre ohne Adjuvanzien, also Wirkverstärker, bei Personengruppen mit einem nicht voll funktionstüchtigen Immunsystem nicht groß genug. Die Entwicklung neuartiger Wirkverstärker, die zum einen weniger Nebenwirkungen hervorrufen, zum anderen die Immunität gegen den Erreger verstärken sollen, erfolgt beispielsweise durch Komplexbildung mit Impf-Antigen oder durch  das Andocken an spezielle Rezeptoren auf den Leukozyten. Dadurch kommt es zu einer Verstärkung der Reaktion und der Erfolg einer Impfung wird wesentlich verbessert. Die Kleinen Moleküle mit ihrer großen Wirkung haben allerdings zu Unrecht einen schlechten Ruf: Zwar treten lokale und systemische Reaktionen auf (z.B. Schmerzen an der Einstichstelle oder Fieber), jedoch existieren keine wissenschaftlichen Untersuchungen, welche die Mär von gesundheitlichen Risiken, hervorgerufen durch Wirkverstärker, belegen können. Übersicht>>
 

08.09.2010
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