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Übersicht - Daten und Fakten


  1. Impfstatus - Impfmüdigkeit in Deutschland und Hessen: Status vor allem bei Folgeimpfungen unzureichend mehr>>
  2. Impfmüdigkeit - den Gründen auf der Spur mehr>>
  3. Ökonomische Relevanz - massive Senkung der direkten Behandlungskosten durch Impfungen möglich mehr >>


1. Impfstatus - Impfmüdigkeit in Deutschland und Hessen: Status vor allem bei Folgeimpfungen unzureichend


Zu Recht gelten die Deutschen als Impfmuffel - eine Untersuchung des renommierten Fachmagazins "The Lancet" zeigte Anfang 2009 ein wenig ruhmreiches Ergebnis: Im Ranking der Masernfälle landete Deutschland auf Platz 26, in der Nähe von Usbekistan, Sambia und dem Tschad. Zahlen wie diese lassen das Ziel der WHO, die Masern in Europa bis 2010 auszurotten, in weite Ferne rücken. Und auch der aktuelle Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts (RKI) belegt, dass insbesondere die empfohlenen Zweitimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, Auffrischungsimpfungen etwa gegen Diphtherie und Tetanus, sowie relativ neu eingeführte Impfungen, wie die gegen Hepatitis B, oft nicht durchgeführt werden. Die Folge sind gefährliche Masernepidemien wie 2006 in Nordrhein-Westfalen, als zwei Kinder sogar an Masern starben. Auch die sinkende Bereitschaft zur HPV-Impfung gefährdet das Ziel der Zervixkarzinom-Prävention erheblich, die nachlassende Impfbereitschaft nähert sich derzeit der 30-Prozentmarke. Zum Vergleich: In Australien oder England sind deutlich über 80 Prozent der Mädchen und jungen Frauen gegen HPV geimpft. Dies bedeutet faktisch, dass die zur Ausrottung dieser HPV-Typen nötige Durchimpfung in diesen Ländern in einem sehr kurzen Zeitraum erreicht werden wird, in Deutschland jedoch nicht.

Aber auch das Impfbewusstsein in Hessen schmilzt dahin. Bei der Betrachtung der Impfquoten im zeitlichen Verlauf ist ein Rückgang der Summe aller Impfleistungen um 4 % zwischen 2007 und 2008 und von minus 3,8 Prozent zwischen 2008 und 2009 zu beobachten. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Innerhalb eines Jahres werden in Hessen seit 2007 rund 100.000 Impfungen weniger durchgeführt! Vor allem die Prävention bei relevanten Erregern schwindet deutlich dahin: Betrug im Jahre 2007 die Summe aller Impfleistungen der Diphtherie/Tetanus Impfung noch 180.080 lag diese im Jahr 2009 nur noch bei 140.141 - ein Rückgang um 22 Prozent! Experten gehen von einem weiterhin negativen Trend aus, der nicht zuletzt auf die Verunsicherung im Zuge der Schweinegrippediskussion zurückzuführen ist. Übersicht>>

2. Impfmüdigkeit - den Gründen auf der Spur

Für die Tatsache, dass ab dem frühen Jugendalter die Rate empfehlungsgerecht Geimpfter nachlässt bzw. im Erwachsenenalter - gemessen an den STIKO-Empfehlungen - mehrheitlich sogar unzureichend ist, sind laut der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) mehrere Faktoren verantwortlich. Neben der Impfbereitschaft der Bevölkerung ist auch der Hausarzt als aktiver Empfehler von Impfungen für eine Verbesserung des Impfstatus von entscheidender Bedeutung. Ursachen für diese geringe Impfbereitschaft sind vermutlich unter anderem darin zu finden, dass impfpräventive Erkrankungen im Erwachsenenalter nicht als "Bedrohung" wahrgenommen werden, das Vertrauen in die kurative Medizin ist groß. Ferner führen die zahlreichen, in den letzten zehn Jahren neu eingeführten, Impfempfehlungen zur Unübersichtlichkeit. Alt eingeführte Impfungen (Diphtherie, Tetanus etc.) werden daher eher akzeptiert als neue Empfehlungen (HPV, Varizellen etc.). Zudem herrscht eine gewisse Verunsicherung beim Patienten bezüglich der Anzahl empfohlener Impfungen sowie den unterschiedlichen Wiederholungsabständen einzelner Impfungen, aber auch hinsichtlich der Verträglichkeit mehrerer Impfungen gleichzeitig. Übersicht>>

 

3. Ökonomische Relevanz - massive Senkung der direkten Behandlungskosten durch Impfungen möglich

Eine Impfung ist die beste und kostengünstigste präventive Maßnahme in der Medizin. Impfkosten machen unter den Arzneimittelausgaben weniger als drei Prozent aus. Wie kosteneffektiv Impfungen sind, zeigt beispielhaft die Impfung eines Babys gegen sechs Krankheiten: Das Aufklärungsgespräch verunsicherter Eltern über Nutzen und potenziell unerwünschte Impfwirkungen nimmt in der Regel über eine Viertelstunde in Anspruch. Inklusive Impfung erhält der Arzt dafür etwa 20 €. Hinzu kommen ca. 70 € für den Impfstoff. Diesen vergleichsweise geringen Kosten steht ein großes Einsparpotenzial bei den Krankenhaus- und Rehabilitationskosten gegenüber, denn allein ein Tag im Krankenhaus verursacht Kosten von durchschnittlich mehr als 300 €.

Welches Einsparungspotenzial bei den einzelnen Schutzimpfungen erzielt werden kann, zeigen folgende Beispiele: In den alten Bundesländern konnten durch die Impfung gegen Polio erhebliche Summen eingespart werden. Nach Einführung der Schluckimpfung wurde für jede einzelne Mark, die für die Impfung ausgegeben wurde, 90 Mark an Krankenhaus- und Rehabilitationskosten eingespart. Bei Ungeimpften ruft diese Erkrankung bleibende Lähmungserscheinungen durch den Befall von muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks hervor. Ebenso ist ein günstiger Kosten-Nutzen-Index für die Masern-Impfung mit 1:32 angegeben. Auch die direkten Behandlungskosten gegen Keuchhusten werden durch Impfungen um mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr gesenkt. Hinzu kommen noch die indirekten Kosten für den Arbeitsausfall der Eltern. Die anfänglichen Zusatzkosten, die durch die Impfung gegen Hepatitis B entstehen, werden nach 10 Jahren zur Entlastung des Gesundheitssystems führen. Eine massive Verringerung der Rotavirus-bedingten Klinikeinweisungen konnte nach Einführung der Rotavirus-Schluckimpfung in Österreich registriert werden. Betrug die jährliche Rate noch vorher 2.066 pro 100.000 Kinder im Alter bis zwölf Monate, ging diese auf 631 pro 100.000 Kinder nach der Einführung zurück. Insgesamt wurde bei Kindern bis drei Monate ein Rückgang der Klinikeinweisungen durch Rotaviren um 42 Prozent und bei Kindern von drei Monaten bis 20 Monaten ein Rückgang um 74 Prozent registriert. Gleichzeitig ist die Zahl der Kliniktage wegen Rotavirus-Durchfall bei Kindern um 45 Prozent gesunken.

Angesichts solcher Rechenbeispiele wird deutlich, dass Schutzimpfungen eine günstige Kosten-Nutzen-Relation aufweisen. Sie tragen damit zu einer erheblichen Kostensenkung im Gesundheitswesen bei. Übersicht>>
 

02.09.2010
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